Dieses Wochenende gab’s im Sonntagsblick ein Interview zum Reformstau in der Altersvorsorge. Ich habe emotionale Reaktionen von Pensionierten erhalten. Die Auseinandersetzung mit Meinungen ist positiv in einer Demokratie, aber lieber ohne Beschimpfungen. Eine Aussage hat offenbar viel persönliche Betroffenheit ausgelöst. Nämlich, dass es bei den Rentenhaushalten nicht nur die tiefen Budgets gibt, sondern ein grosser Teil ein sehr grosszügiges Budget hat. Das ist aber ja genau eben keine Meinung, sondern ein Fakt. Den erhebt das Bundesamt für Statistik, und wird wissenschaftlich aufbereitet. Wenn wir Fakten nicht anerkennen, reden wir in separaten Realitäten aneinander vorbei.
Diesen Beitrag habe ich für den BärnerBär geschrieben, wo ich meine Gedanken seit 2017 zuerst als Stadträtin dann als Nationalrätin regelmässig als Kolumne veröffentlichen darf. Hier findest du weitere Kolumnen.

Ich gönne allen gutsituierten Rentenbeziehenden ihren Wohlstand und habe grossen Respekt und Wertschätzung gegenüber ihrer Leistungen. Aber ich erwarte auch Bewusstsein für die eigenen Privilegien. Nicht alle, die viele Stunden pro Woche arbeiten, können auf Wohlstand zählen.
Der Generationenvertrag ist ein Prinzip, mit dem Junge und Erwerbstätige die Renten finanzieren. Bei Einführung der AHV finanzierten sieben Erwerbstätige eine Rente. Heute sind es etwa drei Erwerbstätige pro Rente, 2050 werden es noch weniger als zwei sein. Das ist nicht etwa der Fall, weil heute weniger gearbeitet würde. Es gibt fast doppelt so viele Erwerbstätige wie in den 1950ern und die Erwerbsquote steigt insbesondere seit den späten 1990ern. Nein, das ist, weil auf die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer geburtenschwache Dekaden folgten, und sich die Lebenserwartung nach Pensionierung fast verdoppelte. Es ist Zeit, den Reformstau endlich aufzulösen.
