Urbanes Wohnen in der Stadt Bern

Bern tut sich letzthin schwer mit urbanem Wohnen. Man lebt nicht nur mit Verkehr, sondern auch mit Fussballfans, Jugendlichen, Gewerbetreibenden, Familien. Das lebt, wuselt, lacht, schreit, flucht. Das braucht Toleranz und gleichzeitig gegenseitige Rücksichtnahme.

Diesen Beitrag habe ich für den BärnerBär geschrieben, wo ich meine Gedanken seit 2017 zuerst als Stadträtin dann als Nationalrätin regelmässig als Kolumne veröffentlichen darf. Hier findest du weitere Kolumnen.

Das Gesetz verlangt keine Toleranz. Wer sich von diesem städtischen Leben gestört fühlt, hat das Recht, dass die als «Lärm» eingestufte Quelle des Ärgernisses beseitigt wird. Als Einzelperson. Auch wenn nebenan Hunderte einen Fussballmatch des Quartiervereins schauen und dazu ein bisschen Stimmung machen. Dann wird das verboten.

Im Gaswerkareal wird nun Wohnraum geplant. Dort gibt es das Jugendzentrum Gaskessel, ein paar Gewerbebetriebe und andere Kulturstätten. Wer also dorthin zieht, will in einer urbanen Lebenswelt mit Nachtleben und Kultur wohnen. Nun will aber die linke Ratshälfte Wohneigentum verbieten. Auch der Gaskessel hat sich in die Diskussion eingemischt. Die Theorie ist, dass Leute mit Wohneigentum sich eher über Lärm beschweren als MieterInnen. Dazu gibt jedoch es keine Fakten. Bei den vieldiskutierten Beispielen in Bern werden die Beschwerden von MieterInnen geführt. Im Gegensatz zu institutionellen Immobilienbesitzenden, die einfach möglichst hohe Mieten und eine solvente Mieterschaft wollen, wissen Familien, die in Wohneigentum investieren, worauf sie sich einlassen – suchen genau dieses städtische Leben.

Das Parlament kann nach Ostern noch einmal beschliessen, ob man wirklich Wohneigentum auf dem Gaswerkareal verbieten will. Es wäre schön, wenn auch Familien mit Wunsch zu Wohneigentum in der Stadt Platz hätten.

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